(Selbst-)Kritik

Heute möchte ich eine Erfahrung mit dir teilen, die ich immer wieder, von Zeit zu Zeit, mache. Dabei geht es um Kritik, also um den Wunsch etwas oder jemanden verändern zu wollen, weil es mir gerade so nicht passt, wie es ist. Vor kurzem habe ich einen für mich sehr stimmigen Artikel über das Thema Kritik gelesen und ich musste laut lachen, weil ich mich selbst ertappt gefühlt habe.


Kennst du auch Tage, an denen du so gut drauf bist, dass dich einfach nichts aus der Ruhe bringt und du mit dir und der Welt und allen Wesen, egal wie sie sind und wie sie sich verhalten, total in Frieden bist? Die mürrische Verkäuferin, der Rüpel, der dir den Parkplatz vor der Nase wegschnappt, dein Partner, der mit schmutzigen Schuhen durch die ganze Wohnung latscht, nichts bringt dich aus der Ruhe. Du kannst über all das lächeln und begegnest deinen Mitmenschen mit Mitgefühl.

 

Ich kenne und liebe solche Tage, an denen ich mich selbst und damit auch alles um mich herum einfach lieben kann. An sol-chen Tagen denkst du nicht mal daran, jemanden zu kritisieren. Das Leben ist einfach wundervoll.

Und dann gibt es auch andere Tage, an denen dich eine Kleinig-keit auf die Palme bringen kann und der Übeltäter mit Kritik überschüttet wird.

 

Hast du dich auch schon mal gefragt, wie dein Befinden und deine Toleranzschwelle bzw. dein Wunsch Kritik zu üben zu-sammenhängt?


Ich habe dabei Folgendes an mir beobachtet: Nehmen wir gleich das Beispiel mit den schmutzigen Schuhen. Gelegentlich ver-gisst mein lieber Mann darauf, sich die schmutzigen Schuhe bei der Tür auszuziehen und geht damit in der Wohnung herum. Das kommt ab und zu vor. Die Handlung ist immer die gleiche, meine Reaktion darauf aber verschieden.

 

Habe ich einen "sunny day", wie oben beschrieben, finde ich
seine Vergesslichkeit eher lustig und verfolge amüsiert, wann es ihm wohl auffällt. Habe ich keinen so guten Tag und mangelt es
mir an Selbstliebe und inneren Frieden, kritisiere ich ihn für seine Unachtsamkeit.

 

Es hat ein bisschen gedauert, aber schließlich habe ich erkannt, daß ich umso kritikfreudiger bin, desto unzufriedener ich mit mir selbst bin. Ist dir das auch schon einmal aufgefallen?

Danach habe ich natürlich geforscht und mich selbst beobach-tet. Dabei habe ich festgestellt, dass das Bedürfnis Kritik zu üben immer mit Selbstkritik beginnt. Ich mache etwas, das ich nicht gut finde und kritisiere mich dafür. Vielleicht habe ich einen Termin vergessen oder verschlafen, auf jeden Fall bin ich mit mir selbst unzufrieden. Das fühlt sich natürlich nicht gut an. Idealerweise fällt es mir gleich auf und ich kann mich um das Gefühl kümmern und zur Selbstliebe zurückkehren.

 

Wenn das nicht gemacht wird, bleibt ein inneres Unbehagen, das unterschwellig wirkt und nach einem Ausgleich sucht. Mein Blick auf die Welt wird kritischer und ich suche nach ei-nem Fehler, den ich kritisieren kann. Damit projiziere ich meine Selbstkritik nach außen und kritisiere jemand anderen, um mich besser zu fühlen. Selbstkritik schmerzt, und jemand an-deren seine Unzulänglichkeit vorzuhalten, bringt (kurzfristig) Erleichterung.


Wird dieser, meistens unbewusst ablaufende, Mechanismus verstanden, siehst du Kritik allgemein in einem ganz anderen Licht. Du prüfst dein inneres Befinden und deine Motivation, bevor du Kritik übst. Und du nimmst Kritik von anderen nicht mehr so persönlich, weil dir klar ist, dass der Kritiker meistens von eigenen Problemen geplagt wird.

Du kennst sicher auch Menschen, die an allem und jedem etwas auszusetzen haben. Dafür ist in den meisten Fällen ein Mangel an Selbstliebe und/oder ein sehr enger und eingeschränkter Blick auf die Welt verantwortlich. Sehr kritische Menschen sind selten glückliche Menschen. Denn im Grunde genommen ist es egal, ob du dich selbst oder andere kritisierst, alles ist eins und so richtet sich der Widerstand und die Kritik in jedem Fall gegen dich.


Schauen wir uns also an, warum überhaupt kritisiert wird.

Die Motivation zur Kritik kann auch die Meinung sein, etwas "besser" zu wissen. Du kannst es aber nicht besser wissen, son-dern nur anders. Du kritisierst auch nicht, weil es angebracht ist. Das ist nur die rationale Begründung dafür. Du kritisierst, weil du gelernt hast, so mit einem unangenehmen Gefühl in dir umzugehen. Es ist deine automatisierte Reaktion auf deinen Widerstand, also deine Reaktion auf eine Körperempfindung IN DIR.

Kritik zu üben bedeutet, sich für ebenfalls existierende Mög-lichkeiten des Lebens zu verschließen. Nur weil etwas nicht in dein Weltbild passt, heißt das nicht automatisch, dass das "falsch" ist.

 

Unser Ego fühlt sich von vielen Dingen, die nicht in eine beste-hende Schublade gepackt werden können, bedroht und reagiert darauf mit Abwehr und Widerstand. Das ist eine natürliche Re-aktion auf neue Informationen, denn aus der Sicht des Egos könnten sie ja gefährlich sein - natürlich nur für seine (einge-bildete) Existenz.

 

Kommt Widerstand auf, ist es daher dienlich, ihn einfach da sein zu lassen und dennoch offen zu bleiben. Sich neue Dinge und Sichtweisen anzuschauen und anzuhören, anstatt sie sofort abzulehnen und zu kritisieren.

 

Und auch da gibt es den goldenen Mittelweg zwischen den Polen Aufnahme und Ablehnung. Alles unreflektiert aufzunehmen ist sich genauso wenig dienlich, als Neues prinzipiell abzu-lehnen. Ich versuche neuen Informationen gegenüber offen zu sein, prüfe aber mit meinem Herzen, ob diese Informationen meiner Wahrheit entsprechen, ob sie sich für mich leicht und erweiternd anfühlen.

Kritik beginnt also immer bei sich selbst, mit dem Gefühl des Widerstandes, dass etwas nicht so sein soll, wie es gerade ist.

 

Je mehr ich meinen Fokus einschränke und die Welt durch die Brille meiner Vor-Stellung betrachte, desto mehr Anlass für Kritik werde ich sehen. Kritik ist immer Einengung und Ver-schließen.

 

Wenn du bereit bist, dich für alle Möglichkeiten zu öffnen, wirst du immer weniger zu kritisieren finden. Wenn Widerstand auftaucht, dehne dich einfach in den Widerstand aus und schau was passiert. Du wirst auch dann nicht alles gut finden und mit allem, was sich zeigt, einverstanden sein, aber anerkennen kön-nen, dass es auch eine Möglichkeit von vielen ist, die genauso eine Existenberechtigung hat.

 

Diese Sichtweise bringt dir inneren Frieden und Gelassen-heit. Und ist es nicht in Wahrheit das, wonach wir uns alle sehen?

Bei einer Seelengenährt-Sitzung schauen wir uns gemeinsam an, wo du Widerstände hast. Es ist viel leichter durch einen Lösungsprozess  zu gehen, wenn jemand für dich die Energie hält. Du lernst einen einfachen Prozess, den du dann jederzeit auch alleine für dich anwenden kannst.

Hier kannst du dich anmelden: