Die Kraft der Gefühle - Teil 1

Heute möchte ich wieder einmal mein Lieblingsthema auf-greifen, Gefühle und Emotionen, und wie wir unsere Gefühle leichter annehmen und für uns nutzen können.

 

Seit vielen Jahren erforsche ich jetzt den natürlichen Umgang mit Gefühlen, und doch scheint es, dass dieses Thema immer wieder neue Facetten bereit hält, wenn ich nur bereit bin, tiefer zu schauen. Manchmal entdecke ich neue Erkenntnisse in der Meditation und bei der Betrachtung meines eigenen Innenlebens, manchmal kommen auch im Außen Impulse auf mich zu, die mich dazu einladen, mich noch tiefer auf innere Prozesse einzulassen.

 

Bei angenehmen Gefühlen, wie Freude, Liebe und Dankbarkeit, ist es ja sehr leicht, so richtig darin zu baden und "JAAA" dazu zu sagen. Aber wie ist es mit Gefühlen wie Wut, Trauer oder Angst? Ehrlich gesagt, hat es mich auch oft Uberwindung gekostet, diese einfach zu bejahen und mit ihnen zu sein. Dabei sind es ganz besonders die "negativen" Gefühle, in denen eine starke, transformierende Kraft steckt. Sie lädt uns ein, über die anfängliche Ablehnung des unerwünschten Gefühls wieder zum liebevollen "JA" zu diesem Gefühl zurückzukehren, zu uns selbst und zum Leben.

 

Gerade den sogenannten negativen Gefühlen wohnt die Kraft der Wandlung inne, die uns aus dem Widerstand heraus zu einer noch umfassenderen Öffnung und Zuwendung zum Leben führen kann.

Jedes Gefühl hat zwei Seiten:

die Kraft-Seite und die Schatten-Seite.

 

Meistens lehnen wir ein Gefühl ab, weil wir nur die Schatten-Seite davon sehen und erfahren haben. Die Schattenseite eines Gefühls bringt uns auch nicht weiter, sondern hält uns in der destruktiven Qualität dieses Gefühls fest. Wir kommen immer tiefer ins "Nein", in die Ablehnung dessen was ist, und der natürliche Energiefluss gerät ins Stocken. Bleiben wir weiter in der Ablehnung, entsteht ein emotionaler Stau, eine Verdich-tung, die mit der Zeit sogar zu Störungen im physischen Körper führen kann.

 

Wenden wir uns aber der Kraftseite zu, offenbart sich uns die transformierende Kraft, und wir können die stärkende und befreiende Qualität eines negativen Gefühls für unsere Weiter-entwicklung nutzen.

Wenn eine Erfahrung auf uns zukommt, die uns nicht gefällt, zeigt sich das in uns durch ein ablehnendes "negatives" Gefühl.
Wir kommen vom "JA" ins "NEIN", so soll es nicht sein.

 

Wenn wir uns dann dem Gefühl zuwenden, und es bejahen und anerkennen anstatt es wegzudrücken oder destruktiv auszu-agieren, offenbart sich uns die Kraft-Seite des Gefühls, in der die Möglichkeit zur Wandlung liegt.


Wir durchlaufen dann einen Kreislauf vom ersten "Nein", das fast automatisch da ist, wenn ein "negatives" Gefühl aufkommt, wieder zurück zum "Ja, es darf sein" und weiter zu einer neuen, erweiterten Ebene des Erlebens.

Heute möchte ich dir die zwei Seiten der Gefühle Wut und Trauer vorstellen und wie du die Kraft-Seite dieser Gefühle für dich nutzen kannst.

 

Beginnen wir gleich mit der Wut, die, besonders bei uns Frauen, nicht sehr populär ist. Dass dieses Gefühl, wenn es ausgedrückt wird, nicht gewünscht ist, erfahren wir schon als kleine Kinder. Die wenigsten Eltern können mit der Wut ihrer Kinder entspannt umgehen, weil in ihnen selbst eine Angst und Ablehnung für dieses Gefühl vorherrscht.

 

Ganz wichtig ist für mich auch der Unterschied dazwischen ein Gefühl zu FÜHLEN, als Hinweis, vielleicht als Alarm-signal dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist, oder es unreflektiert auszuagieren.

 

In erster Linie nehme ich das Gefühl ja in mir wahr, und ich entscheide dann, was ich damit mache. Fühle ich es als Bot-schaft oder Hinweis, der mir hilft, mich in einer Situation zurechtzufinden, oder trage ich es unmittelbar in seiner des-truktiven Qualität nach außen.

Beginnen wir also mit der Wut.

 

Die Schattenseite der Wut ist Zerstörung und Aggressivität bis hin zum Ausrasten. Wir können "blind sein vor Wut" oder nur mehr "rot sehen". Das ist der Grund, warum sie von den meisten Menschen abgelehnt wird.

 

In der Wut steckt aber auch eine enorme Handlungskraft, ohne die wir willenlose Marionetten wären. Wut sagt "bis hierher und nicht weiter", sie hilft uns "Nein" zu sagen und Entscheidungen zu treffen. Wir brauchen die Wut als Gefühl, um eine klare Position zu beziehen, um Dinge ins Leben ins rufen (jetzt erst recht) oder ihnen ein Ende zu setzen. Wenn wir zu dem Gefühl Wut "JA" sagen können, bringt sie uns eine enorme Kraft, die wir konstruktiv für Veränderungen in unserem Leben nutzen können.

 

Wir entscheiden, welcher Seite wir uns zuwenden.

Nutzen wir die Kraft-Seite der Wut, kommen wir vom "nein, so nicht" zurück zum "ja, so soll es sein". Die Wut hilft uns, Dinge zu verändern, die wir verändern können.

Trauer ist die Kraft, die uns hilft, Dinge anzunehmen, die wir nicht verändern können.

 

Die Kraft-Seite der Trauer führt uns vom "Nein, das darf nicht sein" zurück zum liebevollen Frieden, zum Annehmen von dem was ist. Sie hilft uns loszulassen und mit dem Fluss des Lebens weiterzufließen.

 

Trauer ist wie Wasser, das Verlust-Schmerz behutsam weg-waschen kann, wenn wir uns diesem Gefühl hingeben und es bejahen können. Sie öffnet unser Herz für die Kraft der Liebe, damit wir das annehmen können, was uns nicht gefällt und was wir doch nicht ändern können.

 

Wenn wir der Trauer erlauben, uns ein Stück zu begleiten, hilft sie uns auch, die Qualitäten, die wir verloren glauben, stärker in uns selbst zu entwickeln. Nach der Trauerphase können wir uns gestärkt dem Leben wieder zuwenden.


Die Schattenseite der Trauer ist die Passivität. Wenn wir uns nicht erlauben zu trauern und die Trauer wegdrücken, bleibt sie dennoch als verdrängte Emotion in unserem System und wir können den Schritt zurück zum "Ja", zur aktiven Teilnahme am Leben, nicht gehen.

Kommende Woche möchte ich mit dir die zwei Seiten von Angst, Freude und Scham anschauen und auch den Unter-schied zwischen Gefühlen und Emotionen erklären. Gefühle sind wie die bunte Farbpalette des Lebens, mit der wir unser ureigenes Bild malen.


Ich hoffe, du konntest ein bisschen in die unterschiedlichen Qualitäten dieser Gefühle hineinspüren und die feinen Unterschiede wahrnehmen. Mit etwas Übung wirst du diese Gefühle auch im Alltag identifizieren können und immer öfter bewusst die Kraftseite wählen, anstatt von ihnen überrollt zu werden. Das führt zu mehr Vertrauen in dich und ins Leben, zu mehr Leichtigkeit und einem angenehmeren Umgang mit unbeliebten Gefühlen.

 

Ich wünsche Dir noch schöne Herbsttage und viele Kraft-Momente.

Wie immer, bin ich gerne für dich da, wenn du Unterstützung brauchst.

 

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